Der Begriff der Pflegebedürftigkeit

Die Angebote an Pflege und Betreuung sowie die Leistungen der Pflegekasse richten sich danach, wie hoch der Pflegebedarf eines Menschen ist. Ausgangspunkt ist deshalb die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit und die Vergabe eines Pflegegrades.

Pflegebedürftigkeit bedeutet, dass Menschen gesundheitlich bedingt in ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt sind und deshalb die Hilfe anderer benötigen. Dabei spielen körperliche, geistige und psychische Fähigkeiten eine Rolle.

Der Pflegegrad beschreibt das Ausmaß, in welchem ein Mensch nicht mehr selbstständig ist und auf Hilfe anderer angewiesen ist. Daran bemisst sich auch die Leistungshöhe der Pflegekasse. Es gibt fünf Pflegegrade, von geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten (Pflegegrad 1) bis zu schwersten Beeinträchtigungen, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergeht (Pflegegrad 5). Um einen Pflegegrad zu erhalten, müssen Versicherte einen Antrag auf Begutachtung stellen.

Die eingeschränkte Alltagskompetenz (eA) wurde vor der Reform durch das PSG II Menschen attestiert, die erheblich und dauerhaft auf Betreuung angewiesen sind, etwa demenziell Erkrankte, Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischen Erkrankungen. Im Rahmen des damaligen Begutachtungsverfahrens wurde in diesen Fällen nicht nur die Pflegestufe, sondern auch der Zusatz „eA“ vergeben. Das neue Begutachtungsinstrument berücksichtigt nun geistige Behinderungen direkt bei der Prüfung, so dass die eA nicht zusätzlich festgestellt werden muss.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) führt die Begutachtung durch und vergibt die Pflegegrade.

Das Neue Begutachtungsassessment (NBA) ist das Instrument, mit welchem der MDK die Pflegebedürftigkeit feststellt. Es werden Fähigkeiten der Menschen in sechs Lebensbereiche – sogenannte Module begutachtet:

Mobilität: Hierbei wird die körperliche Beweglichkeit begutachtet, zum Beispiel ob die Person alleine aufstehen und vom Bett ins Badezimmer gehen oder ob sie sich selbstständig im Wohnbereich fortbewegen und Treppen steigen kann.

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Dies beinhaltet das Verstehen und das Reden, zum Beispiel, ob sich die Person zeitlich und räumlich orientieren kann, ob sie Sachverhalte versteht, Risiken erkennen und Gespräche mit anderen Menschen führen kann.

Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Hierzu zählen Verhalten und Emotionen, zum Beispiel Unruhe in der Nacht oder Ängste und Aggressionen, die für die pflegebedürftige Person und andere belastend sind, aber auch die Abwehr pflegerischer Maßnahmen.

Selbstversorgung: Es geht um Körperpflege und Ernährung, zum Beispiel inwieweit sich die Person selbstständig waschen und ankleiden sowie die Toilette aufsuchen, essen und trinken kann.

Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen: Begutachtet werden die Bewältigung von Krankheitsfolgen, zum Beispiel ob die Person die Fähigkeit hat, Medikamente selbst einzunehmen, Blutzuckermessungen selbst durchzuführen, ob sie mit Hilfsmitteln wie Prothesen oder einem Rollator zurechtkommen und den Arzt aufsuchen kann.

Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Hierzu zählt, den Alltag zu bewältigen, zum Beispiel die Fähigkeit, den Tagesablauf selbstständig zu gestalten, mit anderen Menschen in direkten Kontakt zu treten oder eine Veranstaltung ohne Hilfe zu besuchen.

Diese Module sind die Basis für die Bewertung der Pflegebedürftigkeit. Das Verfahren läuft wie folgt ab:

Für jeden dieser Lebensbereiche wird angegeben, wie selbstständig der Mensch relevante Aktivitäten ausführen kann. Bei der Bewertung der Tätigkeiten wird davon ausgegangen, dass die Person diese tatsächlich ausüben möchten, selbst wenn zum Zeitpunkt der Beurteilung kein Bedarf besteht. Als Beispiel wird auch bei Wohnungen im Erdgeschoss geprüft, inwieweit die Person selbstständig Treppen steigen kann.

Allerdings sind nur solche Aktivitäten relevant, die mindestens einmal in der Woche und über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten auftreten. Der MDK unterscheidet bei jedem Kriterium zwischen selbstständigem, überwiegend selbstständigem, überwiegend unselbstständigem und unselbstständigem Ausführen.

Jede Ausprägung bedeutet eine bestimmte Punktzahl zwischen null (selbstständiges Ausführen) und drei (unselbstständiges Ausführen). In der Summe ergeben sich zunächst Punktwerte je Modul, die den Grad der Selbstständigkeit im jeweiligen Lebensbereich beschreiben. Die einzelnen Module werden unterschiedlich gewichtet, das heißt sie „zählen“ mehr oder weniger stark für die Beurteilung der Selbstständigkeit.

Die Gewichtung der vier Module ergibt eine Gesamtpunktzahl zwischen null und 100. Je höher der Wert, desto größer ist die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und damit der Pflegegrad. In der Folge ergeben sich fünf Pflegegrade.

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