BMBF-Modellprojekt in Besigheim - Mit QuartrBack möglichst lang im eigenen Zuhause leben

„Das Vorhaben in Besigheim ist ein Modellprojekt und bislang in Deutschland einzigartig“, erklärt Dr. Susan Smeaton, wissenschaftliche Leiterin des Innovationszentrums bei der Evangelischen Heimstiftung (EHS) in Stuttgart. Die EHS ist Konsortialführer des QuartrBack-Projekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. QuartrBack wurde speziell für Menschen mit demenziellen Erkrankungen entwickelt. Mit einer Kombination aus intelligenter Technik, professionellen Pflegedienstleistungen und einem Hilfsnetzwerk an Angehörigen, Nachbarn und Ehrenamtlichen soll das Projekt Menschen ermöglichen, möglichst lange zuhause wohnen und am Leben in der gewohnten Umgebung teilhaben zu können.

Mit diesem sog. Bürger-Profi-Technik-Mix sind individuelle Angebote möglich, erklärt Smeaton: „Menschen möchten auch im Alter und bei Krankheit weiterhin Teil des Quartiers und der Gemeinschaft vor Ort bleiben, und zwar nicht irgendwie, sondern so, wie sie es ihr Leben lang gewohnt waren. Dazu steuert QuartrBack einen maßgeblichen Anteil bei“. Menschen mit demenzieller Erkrankung können Ortungssysteme in Anspruch nehmen, die rund um die Uhr mit einer Serviceleitstelle verbunden sind. Dadurch entlastet QuartrBack die Angehörigen, erhöht den Freiraum der Betroffenen und fördert die Einbindung von Ehrenamtlichen. Auch gemeinsame Aktivitäten im Quartier werden gefördert.

Am 1. Juni trifft sich die Projektgruppe zu einem internen Resonanz-Workshop im Robert-Breuning-Stift in Besigheim. Etwas mehr als 40 Gäste nehmen teil. Der Teilnehmerkreis zeigt die große Bandbreite des Themas: Neben Vertretern der Stadt sind Hausärzte, Vertreter des Pflegestützpunktes, des örtlichen Sportvereins sowie Pflegefach- und Führungskräfte anwesend. Auch Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler nimmt teil. Ziel des Treffens ist es, das Projekt vor Ort vorzustellen und Fragen zu diskutieren, insbesondere rechtliche Unklarheiten. Der Freiburger Sozial- und Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Klie stellt verschiedene Beratungssituationen und ihre rechtlichen Rahmen vor.

Im Oktober 2017 geht QuartrBack in die Testphase über. Ein halbes Jahr lang werden an drei Standorten das Helfernetz und die Technik auf Herz und Nieren geprüft: in den Quartieren Besigheim, Calw und Freudenstadt. Im März wurden in Kooperation mit den Altenpflegeschulen in Calw, Freudenstadt und Dornstadt die ersten Tests durchgeführt.

Zum Abschluss der Testphase werden die Auszubildenden der teilnehmenden Altenpflegeschulen am 10. Juli ins Paul-Collmer-Heim in Stuttgart-Untertürkheim eingeladen. In dieser Einrichtung hat die EHS im Mai 2017 eine ALADIEN-Musterwohnung eröffnet. ALADIEN ist ein selbst entwickeltes, technisches Assistenzsystem, das darauf abzielt, Pflegebedürftigen den möglichst langen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Dienstleistungen wie Stürzsensoren, eine automatische Lichtsteuerung oder ein moderner Hausnotruf unterstützen den Bewohner individuell im Alltag. ALADIEN wird über ein Tablet gesteuert, worüber je nach Bedarf weitere Dienstleistungen hinzugefügt werden können. „Insofern ist QuartrBack eine Ergänzung zu ALADIEN, die den Bewohner auch dann begleitet, wenn er seine Wohnung verlässt“, erklärt Smeaton.