QuartrBack ist „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ - BMBF-Projekt unter Leitung der Evangelischen Heimstiftung setzt sich durch

Das Projekt QuartrBack zählt zu den Preisträgern des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2018. Die Jury wählte aus den insgesamt 1500 Bewerbungen die 100 besten aus, darunter auch QuartrBack. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt soll Menschen mit nachlassendem Gedächtnis helfen, möglichst lange in der eigenen, gewohnten Umgebung zu bleiben: im eigenen Zuhause zu wohnen und selbstständig unterwegs zu sein. Am Projekt beteiligt sind neben der Evangelischen Heimstiftung als Konsortialführer weitere Partner aus Pflege, Wissenschaft und Praxis.

„QuartrBack ist ein einzigartiges Modellprojekt, das wir mit viel Herzblut und aus Überzeugung verfolgen“, sagt Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung (EHS), „deshalb freuen wir uns sehr über die Auszeichnung in diesem bundesweiten Wettbewerb“. Die EHS ist Konsortialführer des QuartrBack-Projekts, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. QuartrBack wurde speziell für Menschen mit nachlassendem Gedächtnis oder demenziellen Einschränkungen entwickelt. Ziel ist, dass sich Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung aufhalten und selbstständig leben können. Dafür wird ein Mix aus intelligenter Technik, professionellen Dienstleistungen und einem Hilfsnetzwerk aus Angehörigen, Nachbarn und Ehrenamtlichen eingesetzt. Dieses Netzwerk steht Nutzern unterwegs zur Verfügung.

Mit dem sog. Bürger-Profi-Technik-Mix sind individuelle Angebote möglich, erklärt Dr. Susan Smeaton, wissenschaftliche Leiterin des EHS-Innovationszentrums: „Menschen möchten bis ins hohe Alter und auch bei Krankheit weiterhin Teil des Quartiers und der Gemeinschaft vor Ort bleiben, und zwar nicht irgendwie, sondern so, wie sie es ihr Leben lang gewohnt waren“. Dazu steuert QuartrBack einen maßgeblichen Anteil bei. Der digitale Beitrag besteht aus einem Ortungsgerät, einer Smartphone-App und einem Service-Center. Nutzer können mit einem einzigen Knopfdruck am Ortungsgerät eine Sprechverbindung zum Service-Center herstellen, um im Bedarfsfall Unterstützung einzufordern. Über das Ortungsgerät können dort die Positionsdaten der Person erfasst und die hinterlegten Helfer über eine Smartphone-App benachrichtigt werden. So entlastet QuartrBack die Angehörigen, erhöht den Freiraum der Betroffenen und fördert die Einbindung von Ehrenamtlichen. So werden auch gemeinsame Aktivitäten im Quartier gefördert.

Erste Feldphase zeigt: Der Bürger-Technik-Profi-Mix funktioniert

In Zusammenarbeit mit Auszubildenden mehrerer Altenpflegeschulen fanden bereits Mitte 2017 mehrere Pretests statt. In verschiedenen Rollenspielen wurden Alltagssituationen simuliert, in denen das System zum Einsatz kommt. Auszubildende testeten, inwieweit die eingesetzte Technik für die Benutzer gut verständlich ist, wie das Helfernetz damit zurechtkommt sowie, ob QuartrBack tatsächlich seinen Dienst erfüllt. Anschließend wurden ein halbes Jahr lang an den Standorten Besigheim und Calw das Helfernetz und die Technik auf Herz und Nieren geprüft. „Denn QuartrBack ist vor allem eins: Ein lernendes System, das sich aus Erfahrungswerten kontinuierlich optimieren lässt“, fasst Smeaton zusammen.

Das allgemeine Fazit nach der ersten Feldphase: Der Bürger-Profi-Technik-Mix funktioniert und kann Menschen mit Pflegebedarf im Alltag unterstützen. Voraussetzung ist, dass die Personen das Ortungsgerät mit sich führen. Für Menschen, die den Knopf nicht selbständig drücken können, ist ein automatisierter Hilferuf vorgesehen. In diesem Fall lernt das System die gelaufenen Wege der Person und löst bei Abweichungen automatisch eine Verbindung zum Service-Center aus. Zur breiten Umsetzung im Alltag muss nun ein großes Helfernetz aufgebaut, koordiniert und verwaltet werden. Hierzu ist ein Folgeprojekt geplant.

QuartrBack als Teil eines Gesamtkonzepts

QuartrBack ist Teil eines Gesamtkonzepts der Evangelischen Heimstiftung, das Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf im Alltag möglichst viel Selbstbestimmung und Sicherheit bieten soll. Zu diesem Konzept gehört auch der sog. ALADIEN, eine Abkürzung für Alltagsunterstützende Assistenzsysteme mit Dienstleistungen. ALADIEN ist ein selbst entwickeltes, technisches Assistenzsystem, das darauf abzielt, Pflegebedürftigen den möglichst langen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Dienstleistungen wie Sturzsensoren, eine automatische Lichtsteuerung, automatische Herdabschaltung oder ein moderner Hausnotruf unterstützen den Bewohner individuell im Alltag. ALADIEN wird über ein Tablet gesteuert, über das je nach Bedarf weitere Dienstleistungen hinzugefügt werden können. „Insofern ist QuartrBack eine Ergänzung zu ALADIEN, die den Bewohner auch dann begleitet, wenn er seine Wohnung verlässt“, erklärt Smeaton.

 

Hintergrundinformationen zu QuartrBack

QuartrBack wird als Verbundprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von mehreren Partnern aus Pflege, Wissenschaft und Praxis gemeinsam durchgeführt. Beteiligt sind die Evangelische Heimstiftung (EHS), das Forschungszentrum Informatik (FZI) am Karlsruher Institut für Technologie, das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologie, die Martin Elektrotechnik GmbH sowie SIGMA Gesellschaft für Systementwicklung und Datenverarbeitung mbH, ein Unternehmen der develop group. Konsortialführer ist die EHS. Die Laufzeit des Projekts war vom 1. Juni 2015 bis zum 31. Mai 2018.