Die PKV schlägt angesichts steigender Kosten vor, Menschen aus dem Pflegeversicherungsschutz herauszudefinieren. Das ist keine Reform, sondern Realitätsverweigerung. Auf diese Art zu „sparen“ kommt dem Versuch gleich, einen Patienten mit gebrochenem Arm nach Hause zu schicken – in der Hoffnung, er werde von selbst wieder gesund.
Von Elke Eckardt, CEO
Gerade beim Pflegebedürftigkeitsbegriff das Rad zurückzudrehen und etwa Menschen mit Demenz künftig außen vor zu lassen, mag das Budget der Versicherung schonen, schützt aber niemanden vor Stürzen, Einsamkeit – oder schlimmeren Folgen. Wer jetzt den Pflegebegriff verengt, verlagert die Kosten allenfalls in die Krankenhäuser – oder hofft stillschweigend darauf, dass die Betroffenen unsichtbar bleiben.
Und noch eins: Die Pflegeversicherung ist kein Erbenschutzprogramm für Vermögende, sondern existenziell für hunderttausende ganz normale Familien. Wer anderes behauptet, sollte einmal unsere Wartelisten anschauen, anstatt das Märchen vom „reichen Erben“ zu erzählen.
Die Wahrheit ist: Wir haben keinen aufgebauschten Pflegebedürftigkeitsbegriff. Und auch keine zu teure, gute Pflege. Was wir haben, ist ein Systemfehler, der erlaubt, dass die Pflegeversicherung die Pflegekosten nicht übernimmt. Das müssen wir ändern und das tun wir, indem wir mutige politische Reformen einfordern:
Geld ins System kann bringen, wenn das Zwei-Klassen-System endlich abgeschafft wird. Denn gerade unterscheidet die Pflegeversicherung zwischen gesetzlich und privat Versicherten – und damit auch zwischen denen, die viel und denen, die wenig einzahlen. Eine solidarische Pflegeversicherung für alle würde bedeuten: Alle, unabhängig vom Einkommen, zahlen in eine gemeinsame Kasse ein. Nur so verteilen wir die Lasten fair und sichern die Pflege für die Zukunft ab. Dazu gehört dann auch, die Beitragsbemessungsgrenze anzuheben. Stand heute zahlt, wer rund 70.000 Euro im Jahr verdient, für jeden weiteren Euro keinen Cent mehr in die Pflegeversicherung. Wer mehr leistet, sollte auch mehr beitragen – das ist gelebte Solidarität und dringend notwendig.